Japan`s best season

Wer schon einmal in Japan gelebt hat, weiß, dass die vier Jahreszeiten hier eine ernste Angelegenheit sind. Im Frühling freut man sich auf die Kirschblüten und Hanami (wörtlich „Blumenschauen“, aber eigentlich ist damit das gemeinsame Picknicken unter den Kirschblütenbäumen gemeint), im Herbst auf die bunten Momiji (auf Deutsch „Ahorn-Fächer“) – Blätter, im Sommer sind die hohe Luftfeuchtgkeit und die Warnung vor Hitzeschlag ein tägliches Thema, während man im Winter dank schlecht isolierter Wohnungen auch drinnen ständig friert. Sommer und Winter kann man also vorweg lassen, während man Frühling und Herbst umso freudiger entgegenblicken darf. Dabei ist Japan natürlich wegen der bereits erwähnten Sakura-Blüte gerade für den Frühling bekannt, mein Highlight hier ist aber eindeutig der Herbst.

Wenn ich an den Herbst in Deutschland denke, fallen mir zum Großteil triste Tage mit deprimierendem Regenwetter oder zumindest einer traurig auf die Erde herabblickenden grauen Wolkendecke am Himmel ein. Natürlich ist es nicht ganz so schlimm, – ich habe auch einige schöne Erinnerungen an sonnenklare Waldspaziergänge und emsiges Kastaniensammeln, – jedoch sind die heiteren Tage eindeutig in der Unterzahl. In Japan hingegen erwartet einen eine Fülle an goldenen Herbsttagen, die man auf keinen Fall in der Wohnung verschwenden möchte. Dazu kommen natürlich noch die Herbstfarben. Feurrote Momiji-Blätter strahlen mit dem vibriereden Gelb der Gingko-Bäume um die Wette. Wohin man auch sieht, die Natur scheint noch einmal zum Leben zu erwachen, bevor es in den langen Winterschlaf geht. Kein Wunder, dass es hier richtige Herbstlaub-Vorhersagen gibt, die erläutern, wo die Farben gerade anfangen, sich zu entfalten, und wo das Farbenspektakel fast schon wieder vorbei und mehr Blätter auf dem Boden als an den Bäumen sind.

Auch ich schließe mich gerne den „Aah“s und „Oh“s an, die wie ein Raunen durch die Menschen ziehen, die zum Bestaunen der Blätter in einen der vielen Parks in Tokyo gehen. Einer dieser Parks ist der Showa Memorial Park (国営昭和記念公園) in Tachikawa im Westen Tokyos. Für einen Entrittspreis von 410 Yen darf man auch Ende November noch ordentliches Herbst-Feeling erwarten. Der Park ist etwa 1,8 Quadratkilometer groß, und wenn man wie ich, begeistert von der bunten Farbenvielfalt der Blätter, an jedem Baum stehen bleiben muss, um Fotos zu schießen, sind 3 Stunden ein wenig knapp, um den ganzen Park erkunden zu können. Neben den vielen Momiji-, Gingko- and anderen Bäumen, gibt es einen See, mehrere kleine Teiche und Flußläufe, einen japanischen Garten (wo sogar eine Bonsai-Ausstellung stattfand, als wir da waren) und viele Grünflächen zum Ausruhen oder Austoben, – je nach Alter eben. Einziges Manko ist, dass die Anlage, zu recht, sehr beliebt ist, und sich hier somit an Wochenenden und Feiertagen halb Tokyo zu versammeln scheint.

Trotz der Menge an Menschen bin ich froh, dass ich die letzten Herbsttage in Japan so noch einmal genießen konnte; nun ist ja bereits der Winter eingekehrt, und, ganz im Bann der wohligen Wärme meines Kotatsu (der einzige warme Platz in der Wohnung) kann ich nur hoffen, dass der Frühling nicht zu lange auf sich warten lässt.


Ein Gedanke zu “Japan`s best season

  1. I’m usually always rushing and on the go but whenever the foliage changes, I have to slow down and just look at the beautiful colors!
    There is nothing more beautiful than autumn. ❤

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