Japan vs. Germany II: The Christmas Edition

Dieses Jahr zu Weihnachten bin ich also nicht nach Deutschland geflogen, um die Feiertage mit meiner Familie zu verbringen. Es war okay. Ein paar Tränchen sind geflossen, ein melancholischer Facebook-Post war unvermeidlich, aber auch Weihnachten geht ja vorüber und dann erwarten einen erstmal ein paar freie Tage und das japanische Neujahr, das hier ja auch ein Familienfest ist.

Trotzdem möchte ich versuchen, Weihnachten nächstes Jahr wieder zu „Hause“ zu verbringen. Dabei sage ich nicht, dass es in Japan zu Weihnachten total schrecklich ist (bis auf die Tatsache natürlich, dass man nicht automatisch frei hat, da Weihnachten hier kein Feiertag ist). Im Gegenteil, überall erstrahlt Tokyo in blinkenden Weihnachtsbeleuchtungen, und jeder Stadtteil versucht, sich mit einer steigenden Anzahl von noch mehr Hunderttausenden von LED-Lampen pro Jahr weiter zu übertreffen. Midtown Christmas, Omotesando Hills oder auch der Klassiker, die Weihnachtsbeleuchtung in der Nähe des Tokyo Towers waren diesese Jahr einige der sprichwörtlichen Highlights. Was man ansonsten in Tokyo zur Weihnachtszeit findet, sind Weihnachtsdekorationen, Werbung für den, sowohl was Geschmack als auch Aussehen betrifft, zuckersüßen „Christmas cake“ (am besten als Sahnetorte mit Erdbeeren zu genießen) oder frittierte Hähnchenschenkel, die sich hier als „Weihnachtsessen“ seit einiger Zeit eingeschlichen haben, – auch wenn keiner weiß, warum. Außerdem nicht vergessen darf man die vielen Weihnachtsparties mit Freunden, und, am wichtigsten, das Weihnachts-Date an Heiligabend, – das aber bei Abhandensein des entsprechenden Date-Partners auch widerum durch eine Weihnachtsparty ersetzt werden kann. Zudem freuen sich auch die Jüngsten so langsam auf den Weihnachtsmann, und Eltern kommen in den Genuss, sich jedes Jahr aufs Neue Gedanken um Geschenke zu machen.

Auf diese Weise etablieren sich in Japan nach und nach ebenso „Traditionen zur Weihnachtszeit“, auf die man sich entweder freuen oder die man dank ihrer Inhaltlosigkeit mit einem abschätzenden Augenrollen verurteilen kann. Das ist auch das, was mich an Japans Version von Weihnachten ein wenig stört ist; man pickt sich nur einige der (westlichen) Weihnachtstraditionen gezielt heraus, ohne Weihnachten als Ganzes zu berücksichtigen. Der „Sinn“, Weihnachten als christliches Fest, Weihnachten als Fest der Liebe und des „Gebens“, bleibt gänzlich unberücksichtigt oder geht im (Tokyoter) Konsumrausch einfach unter.

Zwar wird in Deutschland auch oft über Weihnachten als reines „Konsumfest“ oder zwanghaftes Beisammensein als Familie, gemeckert, aber ich gehöre da eher zu denen, die in der Adventszeit schon ganz aufgeregt werden und sich tatsächlich auf Weihnachten freuen. Zum einen gibt es da ja die Weihnachtsmärkte in jeder Stadt, die zwar mit weniger bombastischer Beleuchtug aufwarten, dafür aber eine viel wärmere Atmosphäre ausstrahlen und dank gebratener Mandeln und Glühwein auch ein wenig zum Bleiben einladen. Die Menschen, zumindest die, die sich nicht vom Weihnachts-Einkaufsstress aus der Ruhe bringen lassen, wirken heiterer und gelassener als sonst, im Supermarkt wird einem „Frohe Weihnachten“ gewünscht und man lässt sich gerne von der festlichen Stimmung um einen herum einlullen. Und natürlich, das Wichtigste, die Familie kommt zusammen, man geht in die Kirche, es wird gut gegessen, beschenkt und ein wenig über die Bedeutung des Weihnachtsfestes sinniert.

Da ich dieses Jahr sowohl auf Tannenbaum als auch auf Familie verzichtet habe, wollten sich mein Freund und ich zumindest ein gutes Essen im Restaurant gönnen und haben daher ausführlichst (und ein wenig weihnachtlich) im La Porta Felice in Gokokuji (Ikebukuro-Nähe) dinniert (mein kleiner Geheimtipp für diejenigen, die in Tokyo nicht zu teuer aber dafür richtig gut italienisch essen gehen möchten). Ach ja, und Bescherung gab es natürlich auch, eigentlich kann ich mich also gar nicht beschweren, oder? 😉

Und wie habt ihr euer Weihnachtsfest verbracht?

http://www.laportafelice.com/

4 Kommentare

  1. Ich kann dich gut verstehen. Weihnachten in Deutschland ist anders als in anderen Ländern.
    Hier in England scheint alles in den Pub zu rennen und Restaurants und Pubs nehmen schon im August dafür Reservierungen entgegen.. Es gibt kaum Weihnachtsmärkte aber viel Weihnachtsmusik in den Läden. Und die Läden haben sogar einen Tag zu, das gibts hier sonst kaum.
    Aber Japan ist da natürlich ein totaler Gegensatz. Man darf aber eben auch nicht vergessen, dass Japan kein christliches Land ist. Als wir unserem japanischen Mutterschiff deutlich gemacht haben, dass unser Büro zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen bleibt, waren sie total baff (was ich echt nicht verstehen kann, denn das ist jedes Jahr so).

    Ich kanns dir nicht verübeln, dass du Weihnachten in Deutschland feiern willst. Es ist schon anders da.

    Gefällt 1 Person

    • Danke fuer deinen Kommentar, Eileen ^^ Ja, irgendwie moechte man Weihnachten doch so feiern, wie man es von frueher kennt, aber jedes Land hat wohl seine eigenen Gewohnheiten. Ich hoffe, ihr habt es euch trotzdem irgendwie schoen gemacht…
      Dass Japan kein christliches Land ist, sehe ich vollkommen ein, aber dass man deswegen nur den „Kommerz-gedanken“ von Weihnachten uebernimmt, finde ich trotzdem irgendwie schade.

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