Relaxing the Japanese way

Nachdem es im Japanischen kein Wort für „ausschlafen“ gibt (朝寝坊する, asanebou suru, „verschlafen“ hat ja eher einen negativen Beigeschmack), und für „entspannen“ im Allgemeinen das aus dem Englischen entlehnte „rirakkusu suru“ (von „relax“) verwendet wird, machte ich mir schon ernsthaft Sorgen darum, dass der Mythos vom fleißigen, immer arbeitenden japanischen Arbeitsbienchen tatsächlich wahr ist. Jetzt, da ich in Japan wohne, weiß ich, dass dies zum Glück nicht 100% zutrifft (- auch wenn wir Deutschen mit unseren wochenlangen Urlauben, Relaxen auf Balkonien und Sonntagen ohne geöffnete Geschäfte beim Entspannen und gemütlichen Nichts-tun sicherlich bei weitem die Nase vorn haben).

Entspannen kann man hier in Japan zum Beispiel ganz toll im Ryokan, wie ich bei unserem letzten Besuch in Hakone (wir übernachteten hier) mal wieder feststellen konnte. Ryokan sind traditionelle japanische Herbergen, die ursprünglich aus der Edo-Zeit stammen. Bei einem Preis von durchschnittlich 10,000 – 20,000 Yen pro Person und Nacht (inklusive Abendessen und Frühstück) ist das Ryokan alles andere als eine billige Alternative zum Hotel. Für Ausländer wird eine Übernachtung denoch sehr spannend sein, weil man hautnah ein Stück japanische Kultur miterleben kann: Am Ryokan-Eingang werden die Schuhe ausgezogen und durch Hausschuhe ersetzt, im Tatami-Zimmer mit traditioneller Einrichtung kann man es sich gleich im hauseigenen Yukata bequem machen, und natürlich gibt es auch ein oder mehrere Onsen, die man ohne zeitliche Einschränkung nutzen darf. Für Japaner bedeutet eine Übernachtung im Ryokan vor allem zwei Dinge: Entspannung und qualitativ hochwertiges japanische Essen. Oft fährt man irgendwo hin, nur weil das Essen in eben dem Ryokan so toll sein soll, – Sightseeing in der Umgebung wird damit eher nebensächlich.

Auch wenn mir bei dem Preis ein wenig mulmig wird, ist eine Übernachtung im Ryokan auch für mich immer ein Highlight. Das beste daran ist ja, dass man am späten Nachmittag oder Abend ankommt und danach nichts mehr machen muss. Kein innerer Zwang, doch nochmal rauszugehen, um die neue Umgebung zu erkunden, schließlich ist man ja vor allem wegen des Ryokan-Aufenthaltes hergekommen. Das Essen, eine der wichtigsten Komponenten beim Ryokan-Besuch, wird auf den Zimmern serviert. Man setzt sich also nur an den Tisch und bekommt nach und nach wunderschön angerichtete Delikatessen serviert. Die einzelnen Portionen sind klein, aber dafür gibt es sehr viele Gerichte, – wir saßen beim letzten Abendessen eine Stunde da und haben gemächlich gegessen, Slow Food vom Feinsten also. Über den Geschmack lässt sich streiten, vieles schmeckt fremdartig und fischig, aber die detaillierte Anrichtung und Vielfalt des Essens lässt mich trotzdem immer wieder staunen.

Nach dem Abendessen wird dann zum Schlafen ein Futon ausgelegt und bezogen, – auch das übernimmt selbstverständlich das Personal – , und man kann noch eine Runde, oder zwei, oder drei im Onsen ausspannen. Gut essen, ausgiebig baden und schlafen, was will man da noch mehr zum Entspannen…?

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