Zazen – a meditative experience in Kyoto

Das neue Jahr hat kaum angefangen, und schon fühle ich mich, als ob ich nie alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Die Zeit rennt und nie genügt das, was ich an einem Tag so mache. Es ist wie ein Fluch. Und ich rede hier nur von meinen freien Tagen, ganz abgesehen vom Arbeitsleben…

Daher war ich umso gespannter, als ein Bekannter vorschlug, mal bei einer Zazen-Meditation mitzumachen. Für Meditationsanfänger, eine Stunde lang, davon zwei Mal etwa 15 Minuten meditieren, ganz easy also. Dachte ich zumindest.

Ein paar Tage später trafen wir mit etwa 20 anderen jungen Japanern am Tempel in Kyoto ein und durften in einem Tatami-Raum mit erhöhten Sitzkissen Platz nehmen. Es war ein frostiger Wintertag und die kleine elektrische Heizung kämpfte vergeblich gegen die Kälte an, die durch die dünnen Holzwände kroch. Nichtsdestotrotz nahmen wir brav auf den Kissen Platz und der Priester, ein junger Mann mit buschigen Augenbrauen und klaren Augen, die versprachen, dass er ein weisereres Leben als wir alle führten, erklärte mit tiefer Stimme die Bedeutung und Methode der Zen-Meditation. Den Augenblick bewusst wahrnehmen. Unnötige Gedanken loslassen. Das Herz reinigen und wie neugeboren weitermachen. Dazu sollten wir die Hände in den Schoss legen, wobei beide Handflächen nach oben zeigen und sich die Daumen berühren. Aufrecht im Schneidersitz oder, wenn möglich, im Lotussitz sitzen und den Blick etwa einen Meter vor sich auf den Boden zu richten, die Augen halb geschlossen. Der Priester erklärte auch die Methode des „Schlagens“. Während der Meditation würde er mit einem Stock herumgehen und, wenn gewünscht, vor jemandem stehen bleiben, und diesem zwei Mal kurz auf den oberen Rücken schlagen, um Verspannungen zu lösen und wanderende Gedankengänge zur Konzentration zurückzuführen.

Ein Räucherstäbchen wurde angezündet und der Priester schlug zwei kleine Hölzer gegeneinander, die Meditation begann. Es lag eine gewisse Anspannung in der Luft, während jeder Teilnehmer versuchte, sich auf seine Haltung und Atmung zu konzentrieren. Ich starrte vor mich hin, bis meine Augen anfingen zu tränen, zählte meinen Atem und gab mir größte Mühe, alles weitere zu ignorieren. Das Tappen der bloßen Füße des Priesters, während er langsam durch die Meditationsreihen hindurchging, das Rauschen des Windes draußen, das laute Klopfen des Stockes, wenn sich jemand zum Schlagen gemeldet hatte, und vor allem, die vielen Gedanken, die wie ein Magnet immer wieder von alleine zurückkommen. Schon nach kurzer Zeit taten meine Beine durch die ungewohnte Sitzhaltung weh, doch auch das wurde ignoriert. Langsam Einatmen. Langsam ausatmen. Zählen. Gedanken beiseite schieben und wie einen Fluß an einem vorbei ziehen lassen.

Als der Priester wieder zwei Hölzer gegeneinader schlug und damit das Ende der Meditationszeit anzeigte, fühlte sich das ein wenig an wie eine Erlösung, – was nicht nur daran lag, dass ich meine schmerzenden Beine nun ausstrecken konnte, sondern auch daran, dass ich mich tatsächlich besser fühlte, der Kopf freier war und die Gedanken positiver. Eine gute Erfahrung, gerne wieder.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.