Balinesische Urlaubsgedanken

Ich saß also in diesem Cafe, Bali Buda, neben mir „Der Schatten des Windes“, ein Roman, den ich schon seit Ewigkeiten lesen wollte, und die Postkarten, die noch auf Urlaubsgrüße und Adressenbeschriftungen warteten. Die Sonne schien, aber hier im Schatten, und mit der angenehmen Brise, die durch das offene Cafe zog, war es angenehm kühl. An dem roten Holztisch vor mir saßen zwei junge Frauen, der englischen Aussprache nach zu urteilen aus Frankreich und England, und unterhielten sich angeregt über das Meditationscenter, das eine der Beiden vor Kurzem erst begeistert besucht hatte. Gerade kam ein sonnengebräunter Mann, übersät mit Tattoos und dem typisch lässigen Aussteiger-Schlendergang die Treppe hinauf. Ein junges Pärchen erkundigte sich bei mir, wie mein Bananen-Zimt-Chai-Smoothie denn schmecke. Sehr lecker, wie eigentlich alles hier in Ubud.

Ich war in Ubud, Bali und genoss die Zeit, und wie. Schließlich war das hier mein längster Urlaub seit knapp fünf Jahren. Beinahe drei Wochen hatte ich frei, wovon ich 10 Tage in Singapur und Bali verbrachte. Was für ein Leben! Und das als Salarywoman in Japan. Möglich war das übrigens nur, weil ich gerade den Job wechselte. Sonst wäre der Urlaub sicher ganz anders abgelaufen, und zwar so wie eigentlich immer als Angestellte in Tokyo: Maximal fünf Tage Auslandsurlaub, inklusive An- und Abreise, möglichst viel Sightseeing in drei Tag gepackt und am Ende zwar mit einer SD-Karte voller schöner Fotos, aber ohne die kleinste Minute des Nichtstuns wieder zurückgereist, um sich am folgenden Tag bereits erneut in den Voller-Zug-unzählige-E-Mails-Überstuden-Job-und-Alltag einzupendeln. In japanischen Sightseeing-Bücher findet man deswegen übrigens auch bunt bedruckte, auf die Minute durchgetaktete Sightseeing-Tagespläne (aber dann auch bitte von morgens um 8 bis abends um 22 Uhr), zum Nachmachen und Bloß-Nichts-Verpassen (mit Schwerpunkt auf Weltkulturerben und den lokalen Essensspezialitäten, versteht sich).

Auch ich hatte mich an dieses volle Action-Urlaubsprogramm gewöhnt. Als wir also diesmal von Singapur nach Bali reisten, wo wir etwa eine Woche (und ich sogar 2 Tage ganz alleine) bleiben würden, machte mich diese Abwesenheit von einem Rund-um-die-Uhr Programm doch etwas nervös. War es nicht Zeitverschwendung, irgendwohin zu reisen und dannn einfach „nichts“ zu tun?! Und doch, der Aufenthalt Bali hat mir gezeigt, wie tolles dieses Nichtstun ist: Einfach den ganzen Tag mit einem Buch in einem Cafe zu verbringen (und dabei die am leckersten klingenden makrobiotischen Desserts und Smoothies zu bestellen), am Meer zu liegen und dem Wellenrauschen zuzuhören, ohne ein bestimmtes Ziel durch die Straßen schlendern und zu fotografieren, abends ganz alleine und nur für mich ein Glas Wein zu trinken, abseits vom Stress, ohne Gereiztheit und ständig verspanntem Rücken endlich mal wieder mich selbst ganz gelassen zu erleben.

Jetzt, wo ich wieder zurück in diesem Alltag bin, und dann auch noch zwecks neuem Job vor Nervosität jeden Abend völlig verspannt und müde nach Hause gehe, kommt mir die Zeit in Bali vor wie eine andere Welt. Oft wünsche ich mich dahin zurück, aber ich weiß auch, dass es nur deswegen so besonders für mich war, weil es so einen extremen Kontrast zu meinem Tokyoter Leben bildet. Deswegen bleibe ich erst einmal hier, arbeite, spare Geld und mache mir darüber Gedanken, wie ich den nächsten langen Urlaub realisieren kann. Und das vielleicht nicht erst wieder in fünf Jahren 😉

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3 Gedanken zu “Balinesische Urlaubsgedanken

    1. Danke schön 🙂 Und die Regelung wäre toll! Deine Firma scheint da fortschrittlicher zu sein, bei uns gibt es das jedenfalls nicht…Aber zu Weihnachten habe ich trotzdem nochmal zwei Wochen am Stück frei, zwecks Deutschlandurlaub 😉

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