Der Tag, an dem Tokyo stillstand

Snowing in Tokyo temple

Snowing in Tokyo Schnee

Snowing in Tokyo Schnee

Snowing in Tokyo Coca cola

Snowing in Tokyo Schnee

Snowing in Tokyo Schnee

Nachdem es gestern bereits zum zweiten Mal dieses Jahr in Tokyo geschneit hatte, müssten sich die Menschen inzwischen an dieses eisige Wetter gewöhnt haben. Nichtsdestotrotz erzeugt Schnee in Tokyo immer noch eine Art Ausnahmezustand und ist auch immer wieder aufregend, zumindest finde ich das. Gerne denke ich da an den letzten Montag zurück, der für einen ganz besonderen Abend in Tokyo sorgte.

Bereits mittags gegen 14 Uhr bekamen wir am Arbeitsplatz eine Mail, die besagte, dass wir heute aufgrund des Schnees eventuell alle früher nach Hause gehen dürften müssten. Mittags hatte es angefangen zu schneien, und nun wurden die Flocken immer größer und verwandelten unsere Büroaussicht auf das umliegende Tokyo in ein nebliges Grau. Um 16 Uhr dann die zweite Mail: Bis 17 Uhr durften sollten wir alle das Büro verlassen. Ein wenig früher als sonst lief ich also kurz nach fünf durch den eisigen Schneeregen in Richtung Bahnhof. Der Schnee war auf den Straßen mittlerweile zu mehreren Zentimetern angewachsen und die wenigen Autos, die sich ohne Winterreifen auf die Straße trauten, sah man nur noch in Schrittgeschwindigkeit vorwärtskommen. Ich war übrigens nicht alleine unterwegs, neben und hinter mir sah ich immer mehr Angestellte, die sich vorsichtig in Richtung Bahnhof vorwärtskämpfend. Mein Bahn-App zeigte bereits die ersten Warnungen: Züge fuhren gar nicht mehr oder nur mit 20- bis 30-minütiger Verspätung. In Bahnhöfen stand man teilweise bis hin zur Ticketschranke Schlange. Dabei wollte ich gar nicht nach Hause, da ich noch etwas vor hatte: Weil mein Mann und ich unseren allerersten Hochzeitstag feiern wollten, hatten wir uns für ein schickes Abendessen in Ginza verabredet.

Mit einer halben Stunde Verspätung schaffte ich es dann auch an den U-Bahnhof dort. Als ich aus dem Bahnhof ins Freie trat erwarteten mich statt der üblichen bunten Massen menschenleere weiße Straßen. Auf den Fahrrädern an den Straßenecken häuften sich kleine Schneehügel. Die wenigen Geschäfte, die noch geöffnet hatten, waren, abgesehen von den Verkäufern, leer. Nur die Ladenlichter, die durch große Schaufenster auf die Straße fielen, erzeugten einen Hauch Wärme. Und diese Stille, durch die sich wie ein roter Faden das Stapfen meiner schwarzen Stiefel zog. Es schien, als hätte Tokyo den Atem angehalten. Der Schnee fiel währenddessen ununterbrochen in großen Flocken zur Erde und senkte sich wie eine schwere Decke auf die Stadt, ließ sie schwer und regungslos werden. Es war großartig.

Durchgefroren und gut gelaunt traf ich mit etwas Verpätung im Restaurant, das sich oben in einem Hochhaus befand, ein. Tomohiro war noch nicht da, daher nahm ich an einem Tisch in der Nähe der großen Fenster Platz und beobachtete das stille Treiben draußen ein wenig weiter. Außer einem weiteren jungen Paar, das sich wie wir durch den Schnee nicht hatte abschrecken lassen, war ich der einzige Gast in dem großen Raum. Ob nachher die Züge fahren und ich heute Abend noch nach Hause kommen würde? Diese durchaus berechtigten Sorgen verschob ich aber zunächst auf später, nach dem Essen. Jetzt genoss ich erst einmal diesen Abend, an dem Tokyo wie auf magische Weise stillstand.


2 Gedanken zu “Der Tag, an dem Tokyo stillstand

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s