Quitting sugar in Japan

Zuckerfrei no sugar Japan sweets

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Zuckerfrei no sugar Japan sweets

Fast genau ein Jahr ist es jetzt wohl her. Es war eine dieser Wochenenden im Februar, an denen man den Winter und die schlecht isolierte Wohnung bereits ein wenig satt hat und hofft, dass es bald wärmer wird, man ganz viel warmen Tee trinken möchte und nur aus der Wohnung geht, wenn als Belohnung ein gemütliches Cafe unterwegs wartet. Zufälligerweise hatten einige Freundinnen und ich so ein Cafe gefunden, das auch noch deutsche Kuchen verkaufte und saßen nun also vor unserer Schwarzwälder Kirschtorte und dem Bienenstich, als eine aus unserer Runde erzählte, dass sie seit zwei Wochen keinen Zucker mehr gegessen habe. Sie verzichte außerdem gerade auch auf Obst, Tomaten und Karotten, um den Körper ganz von süßem Geschmack zu entwöhnen.

Irgendwie beeindruckte mich das so sehr, dass ich direkt am nächsten Tag auch beschloss, für eine Weile auf Zucker, oder zumindest auf Indstriezucker zu verzichten. Selbstverständlich ist allgemein bekannt, dass zu viel Zucker (und „zu viel“ nehmen bereits die meisten Menschen zu sich) ungesund ist, aber nach ausfühlicher Lektüre verschiedener Blogs (hier oder hier) und dieses sehr empfehlenswerten Buches war ich dann doch auch davon überzeugt, dass Zucker so abhängig machen kann wie eine Droge, dass der Zuckerkonsum für den Großteil der übergewichtigen Menschen heutzutage verantwortlich ist, dass Zucker nach dem kurzen „High“ sehr schnell schlapp und motivationslos macht. Davor hatte auch ich jeden Tag Unmengen davon zu mir genommen. Bereits morgens beim Frühstück ging es los mit zuckrigen Corn Flakes und gesüßtem Kaffee, nach dem Mittagessen musste noch ein Nachtisch her, nachmittags bei der Arbeit kleine Snacks, um das Nachmittagstief zu überwinden, an den Wochenenden zur Stressreduktion schon einmal 1-2 Tafeln Schokolade am Stück…

Das zuckerfreie Leben begann also damit, dass ich meine noch vorhandenen Süßigkeiten auf die Arbeit mitnahm oder anderweitig verschenkte, morgens den Kaffee nicht mehr süßte und auf Zucker im Frühstücksmüsli verzichtete, keinen Nachtisch mehr aß und nachmittags tonnenweise Mandeln zu mir nahm, um mich von dem Hunger 3-4 Stunden nach dem Mittagessen und der Lust auf etwas Süßes abzulenken. Mandeln waren immerhin auch die einzigen Nußarten, die es in fast jedem Conbini zu kaufen gab und die in Japan kein ungeheures Vermögen kosten. Der Conbini, früher einer meiner liebsten Orte für den Snack-Nachschub oder Onigiri-Kauf für ein schnelles Abendessen, wenn wieder, wie so oft, Überstunden angesagt waren, war auch wieder so etwas. Anfangs ging ich noch mehr oder weniger verzweifelt durch die Reihen mit Knabbereien, Riegeln und anderen Dingen gegen den kleinen Hunger und sah mir die Zutatenliste auf den Verpackungen an, um etwas ohne Zucker oder Zuckerzusätze zu finden. Es war zu 99% unmöglich. Klar hatte ich manchmal Glück und fand schwarze getrocknete Bohnen, getrocknete Kürbisscheiben ohne Zusätze oder mal eine Senbei-Sorte (Reisecracker) ohne Zucker, – meistens jedoch waren Mandeln eben die einzige Option. Süße Kaffee- oder Matchagetränke oder Joghurt-Drinks waren nun auch erstmal tabu. Still und leise verabschiedete ich mich damit von meinen kleinen Belohnungen für einen stressigen Arbeitsalltag.

Eine Besonderheit in Japan ist zudem, dass man, wenn man in Urlaub war, den Kollegen oft „omiyage“, also Mitbringsel aus der Gegend mitbringt, in Japan meistens in Form von Süßigkeiten mit irgendwelchen Zutaten, die in dieser Gegend berühmt sind. Um nicht grob unhöflich daherzukommen, nahm ich in so einem Fall die Süßigkeiten meistens trotzdem an und schob sie hinterher meinen in der Nähe sitzenden Kollegen unter.

Und auch meine Einstellung zu gekauften Bentos, die ich unter der Woche sonst immer als Mittagessen nutzte, änderte sich. Denn wer weiß, wieviel Zucker da als Geschmacksverstärker schon enthalten ist. Tomohiro und ich begannen also, unser selbst gekochtes Mittagessen in eigenen Bento-Boxen (erzeugt auch viel weniger Plastikmüll, btw.) mitzunehmen.

Die Folgen, jedenfalls für mich, waren, dass ich, obwohl ich in dieser Zeit mehr Kohlenhydrate und unzählige Kalorien in Mandeln zu mir nahm, 2 Kilos abnahm (Kalorie ist eben nicht Kalorie), mein Nachmittagstief verschwand, ich mich konzentrierter, ausgeglichener und weniger nervös fühlte und anfing, meine Hauptmahlzeiten mehr zu genießen und auch irgendwie besser zu schmecken. Und so geht es mir bis jetzt, denn ich verzichte immer noch weitgehend auf Industriezucker. Zwar bin ich nicht mehr so streng wie am Anfang, und esse bei besonderen Anlässen ab und zu einen kleinen Nachtisch, trinke manchmal ein Bier und verbanne nicht die Rosinen aus meinem Müsli, – aber ich nehme Industriezucker in sehr viel geringeren Mengen, und wenn dann bewusst, zu mir.

Inzwischen experimentiere ich auch mit verschiedenen Haferbrei-Rezepten, um unser Frühstück morgens ein wenig interessanter zu gestalten, liebe meinen ultimativen Nachtischersatz aus ungesüßtem griechischen Joghurt mit wahlweise Bananen, Erdbeeren, Blaubeeren oder gleich allem zusammen und weiß, welche Erdnussbutter-Sorte aus Chiba zuckerfrei ist. Im Supermarkt scanne ich verpackte Lebensmittel erst nach Zucker, bevor ich sie in den Einkaufskorb lege. Mein zuckerreduzierter Alltag ist inzwischen zur Gewohnheit geworden.

Leider ist zumindest meine Variante des zuckerfreien Lebens in Japan ganz schön teuer. Wie erwähnt, bekommt man hier Nüsse meistens nur im Importshop, ungesüßtes Müsli und selbst Haferflocken kosten mindestens das Dopplete bis Vierfache wie in Deutschland und allgemein ist Japan sowieso sehr viel teurer, was Obst angeht. Schwarzbrot gibt es hier auch nur im Import-Supermarkt und die meisten japanischen Bäckereien führen meistens nur pappsüße Teilchen, ohne auch nur einen Gedanken an Vollkornbrot zu verschwenden. Alternativ könnte ich natürlich auch einfach mehr selbst kochen, also auch abends nach der Arbeit, und mich mit günstigem Gemüse eindecken, aber im Moment fehlt mir die Zeit und Motivation dazu (ich bewundere jeden, der das nach Vollzeitjob und langer Heimfahrt noch macht^^;).

Nichtsdestotrotz hat mich der Zuckerverzicht seit letztem Jahr unheimlich geprägt. Ich bin einfach stolz darauf, dass ich das, einfach so, von einem Tag auf den anderen geschafft habe. Dass man so vieles erreichen kann, wenn man einfach mal mit etwas beginnt. Mal sehen, ob ich jetzt auch meine vorgenommenen Fitness-Ziele für dieses Jahr umsetzen kann 😉


11 Gedanken zu “Quitting sugar in Japan

  1. Hallo Hanna,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich kann mit dir mitfühlen… Seit ich in Japan bin, versuche ich, nur noch einmal pro Woche eine Süßigkeit zu essen. Ansonsten esse ich Obst und Erdnüsse. Ist, wie du sagst, sehr teuer, aber man fühlt sich besser. XD

    Viele Grüße aus West-Tokio
    Tessa

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  2. Hallo, finde ich gut.
    Ich beschäftige mich generell viel mit dem Thema „gesunde Ernährung“ – hat in meinem Fall aber nichts mit Abnehmen zu tun. Wäre sogar schlimm wenn ich abnehmen würde, deshalb muss ich da bei Experimenten auch immer aufpassen. ^^;

    Komplett zuckerfrei hab ich mich noch nicht ernährt, aber ich achte auch drauf.
    Ich hab aus gesundheitlichen Gründen letztes Jahr eine „Eliminierungsdiät“ gemacht, wo ich über 1 Woche lang nur Reis und Kartoffeln gegessen habe (also komplett zuckerfrei). Hatte auch keinerlei Entzugserscheinungen.
    Liegt vermutlich daran, dass ich automatisch schon immer relativ wenig Industriezucker zu mir genommen habe.

    Zum Frühstück gibt es immer ungesüssten Tee oder eine frischgepresste Zitrone mit heißem Wasser.
    Entweder mach ich mir Porrige mit Früchten oder ich mische mein Müsli selber (da weiß man dann dass kein Zucker drin ist). Aber ich weiß auch, dass das in Japan viel schwieriger umzusetzen ist.

    Ich versuche so oft wie möglich selber zu kochen, aber oft fehlt halt die Zeit. 😦

    Momentan nehme ich wieder mehr Zucker zu mir, weil ich gerade eine „Kur“ mit Manuka-Honig mache. 🙂
    Der übrigens sehr gesund ist und quasi wie ein natürliches Antibiotikum wirken kann.

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  3. Ich verfluche Japan auch für seine Zuckersucht…
    Dass es einem ohne Zucker, oder mit weniger Zucker, wirklich besser geht, merke ich jedes Mal in meinen Süßigkeiten-Abstinenz-Phasen.
    Wenn es mir gesundheitlich gut geht und ich wenig Stress habe, verzichte ich ganz automatisch auf den kleinen Snack am Nachmittag und den Nachtisch.
    Aber dass in Japan wirklich überall Zucker drin ist… Selbst in Babynahrung für die ganz Kleinen. Und selbst im allerersten Keks..
    Ganz Zuckerfrei könnte ich glaube ich nicht.. Ich esse viel traditionell Japanisch, weil alles andere so teuer ist und in fast jedem Gericht ist Mirin oder purer Kristallzucker drin.. Auf Obst umsteigen ist auch nicht so einfach, bei den Preisen :/
    Für Brot selbst backen fehlt mir die Zeit und hier sind ja wirklich in jedem Müsli, das man relativ günstig bekommt, entweder Zucker oder Rosinen drin. Ich hasse Rosinen -.-
    Mit Mandeln habe ich übrigens auch ein Problem. In der Schwangerschaft habe ich dann zu Walnüssen gegriffen, aber ganz günstig sind die ja leider auch nicht.. Was ist mit diesem Land, dass sie keine Haselnüsse haben xD

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    1. Bei der Babynahrung finde ich das besonders schlimm (in Deutschland ist es glaube ich ähnlich mit den Fertigbreis). Da werden die Kinder von klein auf bereits an den täglichen Zuckerkonsum gewöhnt ;(
      Und stimmt, an Mirin hatte ich gar nicht gedacht.. Darauf würde ich jetzt auch nicht verzichten, das gehört schließlich zur traditionellen japanischen Küche dazu.
      Ich wünschte mir, so etwas wie Mymüsli gäbe es hier auch; bin auch nicht so ein Fan von Rosinen 😉
      Was hattest du denn für Probleme mit Mandeln? Allergie?

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      1. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube in den aller ersten Breis in Deutschland ist kein zusätzlicher Zucker drin. Auch in den Snacks ist meist nur der natürliche Zucker.
        Allerdings habe ich zum Beispiel in Kichijoji Gläschen mit Biobrei eines winzigen Anbieters entdeckt. Ich kann mir vorstellen, dass in denen kein zusätzlicher Zucker drin ist. Ich koche aber selbst für den Lütten. Ohne Zucker.
        Mein Problem mit Mandeln ist, dass ich sie nicht sonderlich mag 😣
        Ich bin im Übrigen auch grade wieder auf dem Zucker-reduzierungs-Trip, was gar nicht so einfach ist, wenn man gleichzeitig noch das Problem hat, dass man immer zu wenig trinkt und irgendwie nur Cola und Kaffee einfach in größeren Mengen in meinen Magen gelangen -.- Wasser will einfach nur im Sommer…

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      2. Ja, selbst kochen scheint mir auch noch die sicherste Lösung zu sein ;( Hast du da bestimmte japanische Rezepte, die du für Baby-Nahrung verwendest?
        Und oh ja, das Wassertrinken…Habe immer meine Wasserflasche dabei, damit ich jeden Tag meine 2+ Liter schaffe, weil ich sonst auch immer viel zu wenig trinke.

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      3. Nein, ich habe keine speziellen Rezepte. Ich viele Sachen in Dashi oder nur in Wasser und friere das dann ein. Wenn ich frisch koche, dann benutze ich Pi mal Daumen Sojasauce oder Tsuyu. Aber nie so viel wie fuer unsere Gerichte und das auch erst seit er ein Jahr alt ist.
        Ab zwei Jahre wird er denke ich komplett unser Essen mitessen duerfen, wobei er jetzt schon gerne ab und zu nascht.

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  4. Wow, echt Respekt, dass du das schon so lange machst! Ich merke zur Zeit auch, dass ich viel zu viel Zucker in mich reinstopfe, sei es nun in den von dir schon erwaehnten heissgeliebten Kaffees oder einfach durch Lebensmittel aus dem Supermarkt, deren Inhaltsstoffe man eben nicht so einfach kontrollieren kann.

    Hattest du Anfangs auch das Gefuehl, richtig unter Entzugserscheinungen zu leiden?? Wenn ich tatsaechlich mal versuche, Kaffee und co. fuer eine Weile wegzulassen, werde ich richtig grantig,haha…

    Vielen Dank auf jeden Fall fuer den interessanten Beitrag, da schoepft man doch gleich ein bisschen Motivation. 😉

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    1. Oh ja, Entzugserscheinungen hatte ich auch; hab mich in den ersten beiden Wochen wie benebelt gefühlt und hatte anfangs auch etwas Kopfweh, – ähnlich wie beim Kaffeeentzug 😉 Zum Glück legt sich das schnell wieder.
      Und du hast recht, wenn man nicht aufpasst, nimmt man gleich, ohne es zu wollen, ziemlich viel Zucker durch Fertiggerichte, Soßen, usw. zu sich. Jedenfalls viel Glück bei der Zuckerreduktion 🙂

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