My big fat Japanese wedding, pt. 2: Der große Tag

Ein paar Tage nach unserem Einjahresjubiläum nun also der zweite Beitrag zu meiner Hochzeitsfeier auf Miyakojima, Okinawa letztes Jahr 🙂 Teil eins könnt ihr hier finden und ein paar Fotos zur wunderschönen kleinen Insel in diesem Beitrag.


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Und dann ist es soweit und du wachst auf (nach einer mehr als unruhigen Nacht, aber im Traumbett, im Traumzimmer, inklusive großer Badewanne mit Ausblick auf Terasse und Privatpool und natürlich neben dem Traummann) und der große Tag ist da. Gestern noch ist alles so schnell gegangen, dass du nicht einmal eine ruhige Minute zum Nervöswerden hattest: Zum Flughafen, ins Flugzeug nach Naha, dann ins zweite Flugzeug nach Miyakojima, zwischendurch noch die letzten Geschenke gebastelt, die in der kurzen Nacht davor nicht mehr fertig geworden sind, dann weiter zum Hotel, kurz gestaunt daüber, wie schön alles ist, was für ein Luxus überall und die gemähten Hügel (für den Golfplatz), die Palmen und das türkisfarbene Meer, das für dich jetzt schon das Größte ist. Dafür wolltest du ja hierhin. Auf diese kleine Insel, um hier deine Hochzeit zu feiern, deinen großen Tag. Weiter geht es mit der letzten Vorbesprechung, deine eigens engagierte Hochzeitsplanerin steht beratend zur Seite und überhaupt sind alle so nett und freuen sich mit euch. Dann weiter, die Familie und Freunde begrüßen: Alle sind sie angereist, von so weit her, aus Tokyo, Korea, Hongkong und Deutschland. Und dann du: Übermüdet und nervös und glücklich.

Genau mit diesen Gefühlen und noch viel mehr stehst du also an diesem Tag auf und gehst zu den weiten Fenstern in deinem Hotelzimmer. Es ist bewölkt, für später ist Regen angesagt. Enttäuschung macht sich breit, weil das ja nun wirklich das Schlimmste ist, was bei einer Hochzeit mit Strandausblick passieren kann und das Wetter nun einmal das Einzige ist, das du nicht so akribisch planen kannst wie die Blumengestecke, die Tischdekorationen und das Restaurantmenu. Einmal geschluckt und trotzdem zum Frühstücken gegangen. Ihr seid schon etwas spät dran, denn gleich kommt die Dame, die für den gesamten Tag nur für dein Makeup und die Haare zuständig sein wird. Tomohiro verabschiedet sich unterdessen und geht sich irgendwo anders im Hotel fertigmachen. Du wirst bepudert und bepinselt, so dass du dich am Ende kaum selbst noch im Spiegel erkennst. Da du dich nicht entscheiden kann, ob es dir gefällt oder nicht, muss die Hälfte wieder herunter. Die arme Stylistin, dabei hat sie sich solche Mühe gegeben. Wenigstens passen die Haare auf Anhieb und der Haarschmuck aus echter Orchidee, passend zum Bouquet und frühlingshaft rose und weiß und grün. Und das Kleid natürlich, das du aus Deutschland als Handgepäck mitgebracht und fein säuberlich ein halbes Jahr lang im Schrank aufbewahrt hast, das bist also du, du kannst es kaum glauben.

Mittags: Und dann sitzt du vor dem Pfarrer in einem kleinen Nebenraum der Kapelle und neben all der Aufregung und Nervosität und dem Glücklichsein hoffst du, dass er ein richtiger Pfarrer ist, keiner dieser Ausländer, der für einen guten Stundenlohn bei der Hochzeit etwas aus der Bibel liest, denn schließlich hat die Hochzeitsfirma dir das versichert. Und trotzdem hat er halblange sonnengeblichende Haare, einen australischen Akzent und sieht eigentlich aus wie ein Surfer. Ihr geht noch einmal die Zeremonie durch, das Jawort, und wann du Tomohiro die Hand geben sollst, wie ihr euch die Ringe ansteckt, ganz vorsichtig und langsam, denn wenn man nervös ist, geht das immer viel schwieriger. Irgendwie hat dieser Pfarrer/Surfer etwas Beruhigendes an sich. Im Hauptsaal der Kapelle sitzen schon alle und warten, Familie, Freunde und die Sängerin, die später so schön singen wird, dass man eine Gänsehaut bekommt.

Später: Und dann gehen die Tore der Kapelle auf und du fühlst dich ganz feierlich, obwohl die Zeremonie perfekt durchchoreographiert war, vom Einschreiten am Arm des Vaters bis hin zur Lesung, dem Jawort, dem Ringetausch, dem Kuss, den Unterschriften der Mütter unter dem Hochzeitsdokument, dem gemeinsamen Anzünden der Kerze. Aber die Gefühle, die waren echt und so so intensiv, der ganze kleine Raum mit den aufgemalten Orchideen an den Fenstergläsern, in die du dich auf Anhieb verliebt hast, war erfüllt davon. Und die Hochzeitsplanerin zieht dein Kleid zurecht, befestigt hinten die Schleppe, und die Stylistin zupft an deinen Haaren und trägt noch einmal Lippenstift nach, und dann geht ihr hinaus, nun ganz ganz offiziell als Mann und Frau, und du merkst, wie die Anspannung von Tomohiro abfällt, und die Sonne scheint auf einmal, und es ist warm und schön, und alle strahlen und beglückwünschen euch. Dann kommt der Sekt und dann die vielen Fotos, zu zweit, mit Familie, mit Freunden, mit allen zusammen, feierlich, witzig, romantisch. Und du bist schon ein wenig erschöpft von dem vielen Glücklichsein oder vielleicht auch von dem Kleid, das dich so sehr einschnürt, dass dein Rücken ein wenig wehtut. Und trotzdem, alles ist perfekt, sonnig und im Hintergrund das türkisblaue glitzernde Meer, so ein schöner Tag.

Abends: Und dann sitzt du zu später Stunde im Izakaya mit deinen Freunden, die Familie ist schon zurück ins Hotel gegangen, noch erschöpft vom Jetlag und der langen Reise, und du trinkst das letzte Bier und isst die übriggebliebenen Edamame und denkst noch einmal an den Restaurantbesuch mit den Tischreden und der Hochzeitstorte (die du aus Zeitnot nicht essen konntest) und eurem kleinen Auftritt mit Gitarre und Gesang und dem wahnsinnig leckeren Essen und an die glücklichen Gesichter eurer Eltern zurück. Und ja, das war er, dein perfekter Tag, nein, euer perfekter Tag, und du verstehst nun, warum man so viel Geld und so viel Planung in diesen einen Tag steckt und bist dir sicher, dass die Erinnerung und alle Emotionen, die ganze Achterbahnfahrt (und der Mann an deiner Seite ;)) dir für immer bleiben werden.

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